Meine These zur Dramaturgie: das Titanic-Syndrom

Ich schaue Titanic und hoffe jedes Mal, dass das Schiff diesmal nicht untergeht.
Ich weiß, dass es untergeht.
Aber ich hoffe es trotzdem.

Warum funktionieren Geschichten, deren Ende wir kennen? Warum funktionieren True Crime und Bionics, obwohl das Ergebnis feststeht?

Man nennt es auch das Paradox of Suspense: Spannung entsteht nicht nur durch Nicht-Wissen. Wir schauen nicht wegen der Information.
Wir schauen wegen des Weges.
Wir wollen sehen: Wie genau ist es passiert? Welche Entscheidung war der Wendepunkt? Gab es einen Moment, in dem alles hätte kippen können? Und was hätte ich getan?

Dramaturgie ordnet Chaos. Sie macht aus einem bekannten Ende eine nachvollziehbare Kette von Entscheidungen und Konsequenzen.

Und sie gibt uns etwas, das das echte Leben selten liefert: Closure.

Das heißt für das Handwerk: Eine Regel sagt: Halte Informationen zurück, um Spannung zu erzeugen. Ein Werkzeug fragt: Wie stark ist die emotionale Beteiligung? Wie klar sind die Entscheidungen? Wie spürbar die Konsequenzen?

Twists können überraschen. Aber sie tragen nur, wenn der Weg stimmt.

Die tiefere Spannung entsteht oft dann, wenn wir wissen, was kommt – und trotzdem nicht wegsehen können.

Wie man Beteiligung baut, bevor man Überraschung sucht. Nächste Woche in Berlin werden wir auch darüber sprechen.

Was schaut ihr, obwohl ihr das Ende kennt?

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